Liebe Hebelfreunde und - freundinnen, werte Gemeindeglieder,
Johann Peter Hebel dessen Geburtstag sich am 10. Mai diesen Jahres zum 250 Mal jährt, hatte viele Talente. Er glänze nicht nur als Poet, auch als Pädagoge und Kirchenmann war er sehr erfolgreich. Die Breite seines literarischen Schaffens ist groß. Sie reichte von den 1803 zuerst erschienenen „Allemannischen Gedichten“ (damals noch mit zwei „l“!) über seine „Biblische Geschichte“, die bis 1855 das Lehrbuch im Religionsunterricht in Baden war, bis hin zu den Kalendergeschichten, die im Badischen Landkalender und späteren Rheinländischen Hausfreund zwischen 1807 und 1819 erschienen. Ein vielseitiger Mann, den eine Eigenschaft besonders auszeichnete. Er war in der Lage kurz und präzise zu sagen worauf es ankommt. Seine kürzeste Kalendergeschichte ist voller Theologie:
Ein Büblein klagt seiner Mutter: "Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben." Der Vater aber kam dazu und sagte: "Lügst du schon wieder? Willst du noch eine?"
Unwillkürlich müssen wir lachen und hoffentlich tut es der gestrenge Vater auch. Denn Humor ist das Lachen der Erlösten und für Hebel etwas durch und durch von seinem glauben geprägtes Ereignis. Denn wer lachen kann - zumal und zuerst über sich selbst - der ist frei. Denn er weiß: nichts und niemand kann mich trennen von Gott. Mein Leben ist geborgen in ihm. Ich muss mein Leben nicht selbst verteidigen, sichern.
Wie werden Kinder gewonnen? Natürlich mit Humor und Güte. Die schlagkräftigen Argumente des Vaters können das Kind nicht überzeugen. Güte und Verständnis helfen da schon viel weiter. Autorität gewinnt man eben nicht damit, dass man sich durchsetzt, sondern lebt, was man sagt und sagt, was man lebt. Vielleicht das tiefste Geheimnis auch der Wirksamkeit Jesu. Leben und Reden fällt bei ihm in so glücklicher Weise zusammen, dass alle darüber nur staunen können. Denn da ist ja der Sinn des achten Gebotes: du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
Und noch ein Letztes: die Geschichte lädt - wie übrigens alle Geschichte von Hebel - dazu ein, weiter zu denken. Sich eigene Gedanken zu machen. Was ist eigentlich geschehen, bevor das Büblein zu seiner Mutter lief? Oder was geschah nach der Äußerung des Vaters? Nicht Besserwisserei, nicht moralische Ermahnung und auch nicht blinder Gehorsam ist das, was christlicher Glaube den christlichen Glauben auszeichnet, sondern Freude. Sich überzeugen lassen von der Richtigkeit und Wahrheit der biblischen Überlieferung. Eigenes Nachdenken und dann Zustimmen, darum geht es Hebel.
Machen Sie Entdeckungen mit Heble. Die Kalendergeschichten bieten viele Anlässe nachzudenken, einzustimmen, aber auch sich zu freuen, zu lachen - und sich bestens unterhalten zu lassen. Vielleicht lösen wir dann ein, was Nietzsche einmal von uns Christen gefordert hat: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!" Vielleicht hätte es schon gereicht, wenn Nietzsche Hebels Geschichten gelesen hätte. Ein gesegnetes Hebeljahr wünscht Ihnen Dr. U. Hauser, Schuldekan